Ab durch die Hecken.Ab durch die Hecken.

Volkswagen fördert Wanderkorridore für Europäische Wildkatzen in Niedersachsen

Europäische Wildkatzen bekommt der Mensch in der freien Natur selten zu Gesicht. Die ausgesprochen scheuen Tiere leben weit verstreut in zum Teil weitgehend isolierten Lebensräumen. Um das Überleben der vom Aussterben bedrohten, vorwiegend nachtaktiven Katzenart zu sichern, unterstützt Volkswagen den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) beim Pflanzen von Wanderkorridoren. So sollen die Wildkatzen wohlbehalten zwischen Harz und Heide neue Gegenden erkunden und dort eine neue Heimat finden.

Waren Wildkatzen vor 150 Jahren in Deutschland weit verbreitet, nahm ihre Anzahl in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich ab. Nur noch zwischen 5000 und 7000 Wildkatzen leben heute vorwiegend in Mischwäldern. „Es fehlen ganz einfach die Verbindungen zwischen den Wäldern. Unsere Landschaften sind heute sehr agrarwirtschaftlich geprägt, sodass es viele freie Flächen und stark besiedelte Ortschaften gibt. Anders als der Wolf, der sich im Laufe der Zeit gut an die Umgebung angepasst hat, braucht eine Wildkatze für Wanderungen natürlichen Schutz. Sie verlässt die Wälder nicht, weil es an ausreichend Versteckmöglichkeiten fehlt“, schildert Janina Philipp, Projektleiterin „Leise Pfoten – Wilde Wege“, die Problematik. „Eine Wildkatze läuft nicht einfach so über Felder oder durch von Menschen besiedelte Siedlungen. Ein weiteres Hindernis seien die Autobahnen, Bundestraßen und ICE-Trassen, die das Gebiet zwischen Harz, Solling und Lüneburger Heide zerschneiden.“

Volkswagen unterstützt „Wildkatzensprung“
Bereits seit 2007 engagiert sich der Landesverband Niedersachsen e.V. des BUND im bundesweiten Modellprojekt „Rettungsnetz für die Wildkatze“ für die Europäische Wildkatze und den Waldverbund in Niedersachsen. Volkswagen fördert dieses Biodiversität-Projekt seit Oktober 2009 mit insgesamt 40.000 Euro. Außerdem sorgt Volkswagen beim Wildkatzenprojekt für umweltfreundliche Mobilität: Für Fahrten im Einsatzgebiet stellt Volkswagen dem BUND einen sparsamen Polo BlueMotion zur Verfügung.

Das jüngste Teilprojekt in Niedersachsen heißt „ Wildkatzensprung“. Und so entstehen die Wildkatzen-Korridore: Für die kontaktscheuen Wildkatzen werden Bäume, Hecken und Sträucher neugepflanzt, mit deren Hilfe die Tiere gefahrlos wandern, sich in neuen Lebensräumen ansiedeln und dort fortpflanzen können. Nur hinter einem natürlichen Schutz kann sich die Wildkatze bei ihrer Wanderung gut verstecken. „Ein Wildkatzenkorridor weist idealerweise eine Breite von etwa 50 Metern auf, aber auch 20 Meter bieten noch ausreichend Schutz, wenn sich die Wildkatze von einem Waldstück zum nächsten wagt“, so Philipp. Im Einzelnen geht es um eine bessere Verbindung der Waldgebiete Hainberg, Hildesheimer Wald, Vorholz, Osterwald, Sackwald, Harplage, Heber, Hils und Ith. Die Böden in der Hildesheimer Börde weisen eine besonders hohe Bodenqualität auf. Dies ist zwar gut für die Landwirtschaft, doch schlecht für die Wildkatzen. „Wir werden mit Hilfe von Ehrenamtlichen heimische Sträucher und Baumarten anpflanzen. Dies sind beispielsweise Schlehe, Esche und Ahorn. So kann die Europäische Wildkatze gefahrloser wandern, um sich genetisch auszutauschen und ihre alten Lebensräume zurückzuerobern“, erklärt die Biologin Charlotte Dietrich, BUND-Projektleiterin „Wildkatzensprung“ in Hildesheim.

Auf Mithilfe angewiesen
Die Bevölkerung vor Ort, die Behörden und die Politik werden beim Umweltprojekt „Wildkatzensprung“ einbezogen. Die seit Frühjahr 2012 tätige Wildkatzenexpertin hat das Projekt auch bei Landwirten, Jägern und Forstleuten der Region vorgestellt – und hofft auf Mithilfe. Insgesamt bewertet Dietrich die Artenentwicklung der optisch der Hauskatze ähnelnden Wildkatze positiv. „Die Wildkatze wird insgesamt mehr wahrgenommen. Förster achten jetzt vermehrt auf diese Katzenart. Die Niedersächsischen Landesforsten leisten selbst aktiven Wildkatzenschutz, zum Beispiel über das LÖWE-Programm (Langfristige Ökologische Waldentwicklung), die europäische Artenschutzinitiative „Countdown 2010“ oder auch direkt bei Pflanzungen oder der Betreuung von Lockstöcken.“ Positiv ist laut der BUND-Projektleiterin auch: „Der Wildkatzen-Bestand in der Region hat sich in den letzten Jahren gut erholt.“

Prise Baldrian für genetischen Pfotenabdruck
Dokumentiert werden die Wildkatzen-Wanderungen durch den Aufbau einer deutschlandweit standardisierten Gendatenbank für Wildkatzen. In der Praxis geschieht die Datenerhebung auch bei Hildesheim mit Hilfe von so genannten Lockstöcken. Eine simple Methode: Holzpflöcke werden in den Boden gesetzt. An den einfachen Dachlatten befindet sich Baldrian, den Katzen sehr gerne mögen. Durch das Reiben des Körpers am Pfahl verlieren die Katzen Haare. Diese werden eingesammelt und im Labor untersucht – so entsteht ein genetischer Pfotenabdruck. Auch hier geht es nicht ohne Hilfe. Die Revierförster der Niedersächsischen Landesforsten und ehrenamtliche Naturschützer stellen die Lockstöcke auf und betreuen sie. „Die Katze merkt davon nichts. Aber wir können sowohl das Bewegungsverhalten als auch die Verwandtschaften der Wildkatzen feststellen“, so Projektleiterin Janina Philipp.

Langfristiges Ziel ist es, die Gebiete zwischen Harz, Soling, Hildesheim und Lüneburger Heide für Wildkatzen zu vernetzen. Übrigens soll davon nicht nur die Wildkatze profitieren, sondern alle Tierarten, die auf den Schutz des Waldes angewiesen sind: Darunter Haselmaus, Hirschkäfer, Dachs und Schwarzstorch. Mit Unterstützung der Volkswagen AG konnten seit 2009 die Wildkatzenwege im Landkreis Holzminden bei Golmbach, die Solling, Burgberg und Vogler im Rahmen des Projektes „Leise Pfoten – Wilde Wege“ erfolgreich errichtet werden. Zahlreiche Freiwillige pflanzten 2011 und 2012 insgesamt 2500 Bäume und Sträucher.

„Die Wildkatze braucht dringend Wanderkorridore, um neue Biotope zu erschließen. Dies passt genau zu dem Biodiversitäts-Motto von Volkswagen ‚Lebensraum verbindet‘. Deshalb unterstützen wir dieses Projekt, das neue Lebenslinien für die Wildkatze und andere Tierarten schafft“, sagte Michael Kühn, Umweltforschung K-EFUP.

„Rettungsnetz für die Wildkatze“ ist UN-Dekade-Projekt
Die Vereinten Nationen (UN) rufen eine Dekade aus, wenn sie ein weltweit bedeutsames Thema als besonders wichtig einschätzen. Die Arbeit des BUND und seiner Projektpartner wurde am 19. September 2012 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Artenschützer, Filmemacher und UN-Dekade-Botschafter Matto Barfuss: „Kaum jemand wird in seinem Leben jemals die Chance haben, eine Wildkatze in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Trotz dieser Distanz gelingt es dem BUND, uns diese heimische Katze nahe zu bringen. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist eine zentrale Forderung und der BUND geht diese Aufgabe mit dem Wildkatzenprojekt sehr engagiert an.“

Steckbrief der Europäischen Wildkatze