Frau Heitmüller, wie gut sind Beruf und Familie bei Volkswagen heute vereinbar?
Volkswagen bietet flexible Arbeitszeitmodelle an und wird von den meisten Beschäftigten als ausgesprochen familienfreundlich wahrgenommen. Die vielfältigen Möglichkeiten – von der Wiedereinstellzusage über Teilzeitmodelle bis zu Gleitzeitkonten – wissen unsere Väter und Mütter seit langem zu schätzen.
Gilt das für die Produktion und das Büro gleichermaßen?
Im taktgebundenen Bereich der Produktion ist Teilzeit schwieriger umzusetzen als im indirekten Bereich. Kinderbetreuung im Dreischichtbetrieb zu organisieren, ist auch eine Herausforderung. Hier sehen wir noch großes Handlungspotenzial, und es gilt, gute Praxis aufzugreifen und im Unternehmen umzusetzen.
Wo sehen Sie sonst noch Handlungsbedarf?
Kinderbetreuungsangebote von der Krippe bis zur Ganztagsschule bleiben immer noch hinter dem Bedarf zurück. Da ist die Politik gefordert, in den Ausbau zu investieren. Und Volkswagen braucht Chefinnen und Chefs, die den Wiedereinstieg in und nach der Familienphase mit flexiblen Arbeitsmodellen unterstützen, die zum jeweiligen Bereich passen. Alle profitieren, wenn Frauen wie Männer die Familienphase ohne lange Ausfallzeiten gestalten können, in denen das Knowhow auf der Strecke bleibt.
Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen als Vorgesetzte?
Ich habe gute Erfahrungen mit Mitarbeitern in Teilzeit und Telearbeit gemacht. Die Flexibilität, die ich gewähren konnte, habe ich mindestens im gleichen Maße zurückerhalten – und die Leistung hat gestimmt. Bei Volkswagen verwechseln wir häufig noch reine Anwesenheit mit Leistungsbereitschaft.
Gibt es auch gesellschaftliche Hürden?
Wir wissen, dass junge Paare heute in der Regel beides wollen: einen erfüllten Beruf und ein erfülltes Familienleben. Deshalb müssen wir gemeinsam daran arbeiten, alt bekannte Vorurteile abzubauen: Eine Mutter, die kurz nach der Geburt ihres Kindes wieder voll arbeitet, ist ebenso wenig eine Rabenmutter, wie ein Vater, der ein halbes Jahr Elternzeit nimmt, ein Karriereverweigerer.
Wie wichtig sind die viel diskutierten Frauenquoten?
Die Diskussion um die Frauenquote rückt die gesamte Thematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in die Öffentlichkeit. Das ist positiv. Bei Volkswagen wissen wir, dass wir auf das Potenzial von gut qualifizierten Frauen UND Männern nicht verzichten können. Deshalb machen wir eine einfache Rechnung auf: Wenn bei den Maschinenbauern jeder 9. Absolvent eine Frau ist und bei den Wirtschaftswissenschaftlern jeder 2., sollte sich das bei unseren Einstellungen spiegeln. So garantieren wir, dass wir die Besten für Volkswagen gewinnen.
Weiterhin gehen wir davon aus, dass Frauen und Männer bei uns die gleichen Karrierechancen haben. Wenn sich das in den Zahlen noch nicht spiegelt, müssen wir handeln. Entweder verlieren wir einen Teil der Frauen auf dem Weg, weil wir noch besser werden müssen im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie, oder wir tun noch zu wenig, um Talente sichtbar werden zu lassen.
Ihr Fazit?
Volkswagen hat als erstes Großunternehmen Grundsätze zur Förderung von Frauen herausgebracht und seither viel in Richtung familienbewusster Unternehmenskultur vorangetrieben. Und diesen Weg gehen wir konsequent weiter.