Frau steht auf einer Autobahnbrücke und blickt auf den Verkehr.
Technologie

Sechs spannende Ideen für die Ladeinfrastruktur

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Sechs spannende Ideen für die Ladeinfrastruktur

21.05.2019
21.05.2019

Für den Erfolg der Elektromobilität ist insbesondere die Ladeinfrastruktur von entscheidender Bedeutung. Die nächste Generation von Ladesäulen wartet dabei mit neuen Innovationen auf. Wir stellen Ihnen die spannendsten Lösungen für die Zukunft vor.

Das erfahren Sie hier:

  • Welche kreativen Lösungen es gibt, um die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen
  • Wie Laternen und Verteilerkästen als Ladestationen eingesetzt werden
  • Warum Wasserstoff eine Stromtankstelle mit Energie versorgen kann
  • Wie weit das dynamische Laden während der Fahrt ist

Ein flächendeckendes Netz an Lademöglichkeiten ist für viele Autokäufer ein gewichtiges Argument, wenn es darum geht, sich für ein Elektrofahrzeug zu entscheiden. Damit die Ladeinfrastruktur immer besser und das Laden immer bequemer wird, sprießen alternative Ideen für Ladestationen aus dem Boden. Wir stellen sechs von ihnen vor.

1. „Ladefox“: Ladesäule mit Stoppuhr

Das System „Ladefoxx“ des Güterslohers Haustechnik-Herstellers „Westaflex“ ist kaum mehr als eine minimalistische Box, die an einer schmalen Metallstange befestigt ist. Das besondere an ihr: Sie enthält ein Countdown-System. Hierüber kann der Betreiber einen festen Zeitraum einstellen, beispielsweise 30 Minuten. Ist die Zeit abgelaufen, kommt es zu einer automatischen Freigabe für den nächsten Nutzer. So verhindern beispielsweise Supermärkte, Buchhändler oder Friseure, die ihren Kunden Lademöglichkeiten anbieten, dass diese den Anschluss viel länger als nötig besetzen. Je nach Tages- oder Nachtzeit können per Zeitschaltuhr bestimmte Tarife eingestellt werden.

Mann schiebt Frau in einem Einkaufswagen über einen Parkplatz.
Volle Power in Richtung Zukunft: Neue und teilweise unkonventionelle Ideen vereinfachen das Laden – zum Beispiel an Supermärkten. 

2. Volkswagen: Mobiler Schnelllader für E-Autos

Temporäre Stromtankstellen, die funktionieren wie die Powerbank für das Smartphone? Volkswagen hat eine mobile Schnellladesäule entwickelt, die wie ein Akku im XXL-Format ist. An der großen Ladesäule können vier E-Fahrzeuge gleichzeitig ihre Batterien aufladen, wahlweise mit Gleichstrom oder Wechselstrom. Ein Vorgang soll durchschnittlich nur 17 Minuten dauern. Mit der Ladekapazität des Batteriespeichers von 360 kWh lassen sich bis zu 15 E-Autos aufladen. Die Schnellladesäule kann flexibel überall eingesetzt werden. Etwa auf öffentlichen Parkplätzen oder an abgelegenen Orten, wo kein Stromnetz zur Beladung von Elektrofahrzeugen verfügbar ist. Unterschreitet die Restkapazität der verbauten Akkus einen bestimmten Wert, wird die entleerte Ladesäule gegen eine geladene getauscht oder über das Stromnetz wieder nachgeladen. Die ersten mobilen Ladesäulen werden Mitte 2019 in Wolfsburg aufgestellt. Ab 2020 soll die Ladesäule auch in anderen Städten und Gemeinden Deutschlands zum Einsatz kommen.

 

Die mobilen Ladesäulen sind ein entscheidender Schritt zu einem leistungsfähigen Netz von Ladepunkten.
Thomas Schmall
Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Konzern Komponente
Volkswagen Konzern Komponente hat eine flexible Schnellladesäule entwickelt.

3. „Ubitricity“: Aus Laternen werden Ladepunkte

Das Start-up „Ubitricity“ hat für Straßenlaternen eine Steckdose entwickelt, die relativ einfach in eine bestehende Laterne eingebaut werden kann. Kostenpunkt rund 1.000 Euro. Eine herkömmliche E-Ladesäule dagegen kostet im Schnitt bis zu 15.000 Euro. „Ubitricity“ hat in den Londoner Stadtbezirken Kensington und Chelsea inzwischen 300 solcher Ladepunkte errichtet. In Berlin sollen jetzt 1.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkte an Laternenpfählen in den zwei Außenbezirken Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf entstehen und erprobt werden. Für die Abrechnung der Ladeleistung hat „Ubitricity“ einen Stromzähler entwickelt, der im Ladekabel integriert ist. Der Nutzer muss nur einen Mobilstromvertrag mit einem Anbieter seiner Wahl abschließen.

4. „Telekom“: Graue Eminenzen für die Ladeinfrastruktur

Sie sind grau, stehen am Straßenrand, manchmal fallen sie auch durch illegal angebrachte Veranstaltungsplakate auf, die nach und nach abfallen: Die rund 380.000 Verteilerkästen der „Telekom“. Jeder dieser Kästen verfügt über eine eigene Stromversorgung, eine Batteriepufferung und eine digitale Messstelle. Aus ihnen könnten künftig Ladestationen für Elektrofahrzeuge werden. Insgesamt kommen nach Angaben der „Telekom“-Tochter „Comfortcharge“ etwa 12.000 Verteiler in verschiedenen Städten in Betracht. Pro Ladestelle sollen zwei Elektroautos mit jeweils 11 kW versorgt werden. Die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur könnte in Zukunft den Aufbau zusätzlicher Ladepunkte obsolet machen und so auch die Stadtplanung vereinfachen.

Frau geht auf dem Gehweg.

5. „AFC Energy“: Wasserstoff bringt Elektroauto zum Summen

Ladestellen und heimische Wallboxen für Elektroautos haben eines gemeinsam: Sie sind abhängig vom Stromnetz. Damit ist nicht immer erneuerbarer Strom garantiert. Und bei Blackouts ist das Aufladen nicht möglich. „AFC Energy“ aus Großbritannien hat nach zehn Jahren Entwicklungszeit die erste Ladelösung der Welt präsentiert, die unabhängig vom Stromnetz funktioniert und stattdessen per Wasserstoff-Brennstoffzelle versorgt wird. Ein Wechselrichter überträgt die von der Brennstoffzelle erzeugte Energie auf ein Ladegerät. Als Strom steht diese schließlich dem Elektroauto zur Verfügung. Das System unter dem Namen „Ch2arge“ beinhaltet zudem einen 48-Volt-Batteriespeicher, der bei Verbrauchsspitzen aushilft, und einen Wasserstoff-Vorratstank, der 140 Ladevorgänge ermöglicht.

6. „Intis“: Ein neuer Weg der Elektromobilität

Die ultimative Entwicklungsstufe ist aber das dynamische Laden. Auf einer 25 Meter langen Strecke haben Forscher des Ingenieurdienstleisters „Intis“ das Aufladen eines E-Autos während der Fahrt erfolgreich demonstriert. Dazu wurden die Spulen hintereinander unter den Belag eingearbeitet. Das physikalische Prinzip stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der serbische Elektroingenieur Nikola Tesla entwickelte eine Spulenkonstruktion, mit der elektrisch produzierter Wechselstrom ein pulsierendes Magnetfeld erzeugt. Übertragen auf die Elektromobilität sind sowohl auf dem Parkplatz und der Fahrbahn als auch im Auto Spulen eingebaut, die ein magnetisches Feld erzeugen. Bringt man die beiden Spulen im richtigen Abstand zusammen, fließt Strom, und der Akku im Fahrzeug wird geladen.

Doch zu welchem Preis und Aufwand lassen sich allein 13.000 Kilometer Autobahn ausstatten? Das israelische Unternehmen „Electreon“ hat nach eigenen Angaben eine induktive Technologie für den Massenmarkt entwickelt. Die Umrüstzeit von einem Kilometer Straße soll lediglich einen Tag dauern. Kupferleitungen werden dabei wenige Zentimeter unter den Asphalt gelegt, bevor die Straßendecke wieder geschlossen wird. Spezielle Maschinen kommen dafür zum Einsatz. Und der induktive Empfänger am Fahrzeug lässt sich ebenfalls nachrüsten. Ladestationen direkt an den Straßen sollen damit überflüssig werden, zudem soll das System viel kleinere Batterien ermöglichen. Das reduziert wiederum Gewicht und Kosten der Fahrzeuge. Tests mit Elektrobussen auf einer Strecke in Tel Aviv soll jetzt zeigen, wie sich das Prinzip im Alltag schlägt. Bis zur Straßen der nächsten Generation wird es also noch etwas Zeit brauchen.

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