Almuth Schult schaut angestrengt
Almuth Schult schaut angestrengt
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Almuth Schult schaut angestrengt

#ToughSeit1970 –
Frauenfußball ist ehrlicher und bodenständiger

#ToughSeit1970 –
Frauenfußball ist ehrlicher und bodenständiger

Als kleines Mädchen entdeckte Almuth Schult ihre Liebe zum Fußball. Von einer Jungenmannschaft im Wendland schaffte sie es zum Frauenteam des VfL Wolfsburg und in die Nationalelf. Sie gewann unter anderem die Champions League, holte Olympia-Gold und wurde Welttorhüterin. Ein Gespräch über schwierige Anfänge, Entwicklungen im Frauenfußball und die Vereinbarkeit von Fußballkarriere und Familienleben.

Als kleines Mädchen entdeckte Almuth Schult ihre Liebe zum Fußball. Von einer Jungenmannschaft im Wendland schaffte sie es zum Frauenteam des VfL Wolfsburg und in die Nationalelf. Sie gewann unter anderem die Champions League, holte Olympia-Gold und wurde Welttorhüterin. Ein Gespräch über schwierige Anfänge, Entwicklungen im Frauenfußball und die Vereinbarkeit von Fußballkarriere und Familienleben.

Der organisierte Frauenfußball in Deutschland feiert seinen 50. Geburtstag. Erinnerst du dich noch, wie du mit dem Fußballspielen begonnen hast?

Mein großer Bruder hat irgendwann angefangen. Und weil kleine Schwestern immer das wollen, was die großen Brüder machen, bin ich mitgegangen. Ich fand Fußball gleich toll und habe dort sehr viele Freunde gefunden. Ich habe lange in einer Jungsmannschaft gespielt, Mädchenteams gab es in unserer dünn besiedelten Gegend nicht.

Hast du mal negative Erfahrungen gemacht, weil du als Mädchen Fußball gespielt hast?

Sogar viele! Vor dem Spiel wurde beim Gegner häufiger gelästert: ‚Oh guck mal, die haben ein Mädchen im Tor, die können ja gar nichts.‘ Zum Glück habe ich diese Vorurteile durch Leistung zunichtemachen können. Wenn sie dann das Spiel verloren haben, hieß es dann eher: ‚Mädchen dürfen gar nicht mitspielen.‘ Selbst beim DFB-Stützpunkttraining habe ich erlebt, dass Jungs mir keinen Ball zuspielten, weil sie eben nicht wollten, dass Mädchen dabei sind. Das Schöne an der Sache war aber, dass mich meine Mannschaft zu Hause immer unterstützt hat.

Würdest du sagen, Mädchen haben es heute immer noch so schwer?

Ich denke, dass es zum Teil noch so ist, sicher nicht mehr ganz so extrem. Es gibt bestimmt  Mädchen, die deswegen aufhören – was sehr traurig ist. Weil sie ständig mit Vorurteilen konfrontiert werden und deswegen den Spaß verlieren. Ich hoffe, dass das irgendwann gar nicht mehr passiert. Ich wünsche mir, dass der Fußball einfach Fußball ist. Jeder, der kicken möchte, sollte die Möglichkeit dazu haben.

Erfolgreiche Karriere

Position

Stationen

Erfolge

Auszeichnungen

Torhüterin

  • 1996–2007 FC SG Gartow
  • 2007–2008 Hamburger SV
  • 2008–2011 SSC Magdeburg
  • 2011–2013 SC 07 Bad Neuenahr
  • seit 2013 VfL Wolfsburg
  • U-20-Weltmeisterin 2010
  • Europameisterin 2013
  • Champions-League-Siegerin 2014
  • Deutsche Meisterin 2013/14, 2016/17, 2017/18, 2018/19, 2019/20
  • Deutsche Pokalsiegerin 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020
  • Olympiasiegerin 2016

Welttorhüterin 2014

Torhüterin

Zurück zu dir: Wer war damals dein Vorbild – Oliver Kahn oder Silke Rottenberg?

Ein direktes Vorbild hatte ich nie. Stattdessen versuche ich, mir von vielen etwas abzuschauen. Egal ob von Torhütern oder Menschen aus anderen Bereichen. Aber natürlich waren Oliver Kahn und Silke Rottenberg dabei. Bei der WM 2002 war Oli Kahn herausragend, genauso Silke Rottenberg 2003. Von daher kann ich mich gar nicht entscheiden, für mich waren das einfach zwei gute Torhüter.

Trotzdem liegen zwischen Männer- und Frauenfußball Welten. Aufmerksamkeit, Fans, Geld: Was ist aus deiner Sicht am Spiel so anders?

Grundsätzlich nur, dass beim Frauenfußball Frauen spielen, beim Männerfußball Männer. Aber wir haben die gleiche Spielfeldgröße, den gleichen Ball, das gleiche Tor, die gleichen Regeln.

Und die körperlichen Voraussetzungen?

Klar, der Mann wird immer härter schießen, schneller laufen, höher springen. Es bringt also gar nicht viel, das zu vergleichen. Fest steht, dass mehr Männer in Deutschland Fußball spielen. Deswegen ist eine größere Breite und eine leistungsfähigere Dichte vorhanden. Wir Frauen haben in der Liga nur zwei richtig professionelle Vereine – den FC Bayern München und den VfL Wolfsburg. Nun kommt mit Eintracht Frankfurt ein dritter Verein dazu.

Aber es gibt diese Saison doch sieben Vereine, die sowohl in der Männer- als auch der Frauen-Bundesliga vertreten sind. Bringt das nicht automatisch mehr Professionalität?

Das mag so wirken. Trotzdem arbeiten fast alle Spielerinnen neben dem Training noch in einem anderen Beruf, können sich nicht komplett auf den Sport konzentrieren – auch bei vielen Lizenzvereinen. Sie haben nicht die gleichen Trainingsbedingungen wie Wolfsburg oder Bayern. Wir haben unseren eigenen Trainingsplatz, unsere eigene Kabine. Doch das ist längst nicht überall gegeben.

Das klingt etwas ernüchternd. Gibt es etwas, was bei den Frauen besser läuft?

Wir sind noch nicht so kommerzialisiert. Wir spielen mehr „für uns“, aus eigenem Antrieb.  Frauenfußball ist dadurch ein Stück weit ehrlicher und bodenständiger.

Wenn du die letzten Jahre zurückblickst: Wie hat sich das Spiel bei euch Frauen verändert?

Es ist auf jeden Fall schneller geworden, auch athletischer, technischer und taktischer geprägt. Bei den Männern ist es ja ähnlich. Aber beim Frauenfußball ist das deutlicher zu sehen, weil wir noch mehr Verbesserungspotenzial haben. Man sieht auch, dass in den letzten Jahren immer mehr gute Torhüterinnen ausgebildet wurden.

Ist der Frauenfußball durch diese Entwicklungen attraktiver gewordener?

Ich finde schon, vor allem international geht es voran. Deutschland war in Europa Vorreiter. Doch nun boomt der Frauenfußball auch in England, Italien, Spanien und Frankreich. Wir werden sehen, was daraus erwächst.

Apropos wachsen: Du hast dieses Jahr Zwillinge bekommen. Mutter und Fußballprofi zugleich – das ist eine Seltenheit.

Ich meine, dass tatsächlich in den letzten 25 Jahren keine Spielerin, die ein Kind bekommen hat, in der Bundesliga weiterspielte. Die letzte war meines Wissens Martina Voss-Tecklenburg, die heutige Nationaltrainerin. Bekannte Spielerinnen wie Celia Šašić oder Lira Alushi haben ihre Karriere beendet, als sie Mütter wurden.

Warum machst du weiter?

Für mich ist das eine bewusste Entscheidung. Ich habe mich lange mit meiner Familie besprochen. Alle haben gesagt: ‚Wir stehen hinter dir, wir bekommen das hin‘. Meine Mutter hat damals auch in ihrem Job weitergearbeitet. Warum soll das also nicht im Fußball auch möglich sein? Außerdem habe ich einen laufenden Vertrag, den möchte ich gern erfüllen.

Die Schwierigkeit ist wahrscheinlich: Du hast ganz andere Arbeitszeiten als viele andere Mütter.

Ja, es ist nicht so klar geregelt. Manchmal verschieben sich Termine kurzfristig, manchmal fallen freie Tage weg, manchmal haben wir eine 7-Tage-Woche. So was kann keine Kita auffangen. Stattdessen bin ich auf viel Unterstützung aus der Familie angewiesen. Das ist nicht immer einfach zu organisieren, aber bis jetzt klappt es sehr gut. Und darauf bin ich sehr stolz.

Wie unterstützt der Verein dich dabei?

Die Verantwortlichen beim VfL und ich hatten uns darauf geeinigt, dass ich in den ersten zwei Monaten nach dem Mutterschutz in Teilzeit arbeiten kann. Das war dann nicht möglich. Der Verein hat es mir aber ermöglicht, schrittweise wieder ins Training einzusteigen. Einerseits konnte ich mich so wieder ans Mannschaftstraining gewöhnen, andererseits habe ich mir auch nicht zu viel abverlangt.

Bodenständig: Almuth Schult trägt nach dem Training mit Merle Frohms Bälle und andere Trainingsutensilien vom Platz.
Almuth Schult und Merle Frohms

Hast du dir einen Zeitplan aufgestellt, wann du wieder aktiv spielen willst?

Ich bin im Mannschaftstraining, da entscheidet der Trainer nach Leistung. Ich weiß aber selbst, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Ich brauche noch ein paar Wochen, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich mache mir jetzt keinen Stress, sondern bin einfach glücklich, dass bislang alles so gut funktioniert. Der Rest wird kommen.

Siehst du deine Kinder zwischen den Trainingseinheiten?

Nein, das schaffe ich nicht, weil ich mehr als eine Stunde Fahrtzeit entfernt wohne. Das ist eben der Kompromiss: Dafür ist meine Familie am Wohnort immer in der Nähe und kann sich kümmern. Aber ich kann auch zu Hause individuell trainieren. Dafür habe ich mir vorausschauend einen Kraftraum eingerichtet, den nutze ich jetzt. Generell gilt: Beim Mannschaftstraining bin ich dabei und die Zwerge sind zu Hause.

Was sind deine sportlichen Ziele?

Bei der EM 2022 in England wäre ich supergerne dabei. Auch die WM 2024 in Neuseeland und Australien reizt mich sehr. Ich habe auch schon einmal Olympia gewonnen und würde das gerne noch mal erleben. Ich möchte auch mit dem VfL Wolfsburg noch mal die Champions League gewinnen und am liebsten immer wieder Deutscher Meister und Pokalsieger werden.

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