Wynton Rufer - Pokalsieger
Wynton Rufer - Pokalsieger
Wynton Rufer - Pokalsieger
Wynton Rufer - Pokalsieger

Rechts perfekt, links perfekt

Rechts perfekt, links perfekt

Wynton Rufer ist untrennbar mit dem SV Werder Bremen und dessen erfolgreichster Ära in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern verbunden. Nach seinem Abschied aus Europa 1997 wurde es ruhig um den Publikumsliebling. Dabei gibt es viel über ihn zu berichten.

Wynton Rufer ist untrennbar mit dem SV Werder Bremen und dessen erfolgreichster Ära in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern verbunden. Nach seinem Abschied aus Europa 1997 wurde es ruhig um den Publikumsliebling. Dabei gibt es viel über ihn zu berichten.

Fans von Werder Bremen werden diese eine Szene nie vergessen. Es läuft die 55. Minute in Lissabons Estádio da Luz. Spielstand: 1:0 im Finale des Europapokals der Pokalsieger zwischen dem SV Werder Bremen und dem favorisierten AS Monaco im Jahr 1992. Die Monegassen vertändeln den Ball fahrlässig im Mittelkreis. Klaus Allofs, der in der 40. Minute die Führung der Bremer erzielt hat, schickt Wynton Rufer auf Reise. Die Abwehr der Monegassen ist zu weit aufgerückt. Rufer hat nur noch Monacos Torwart Jean-Luc Ettori vor sich. Bremens Publikumsliebling legt den Ball mit dem Außenrist rechts am herausstürmenden Ettori vorbei, umkurvt ihn links und bugsiert das Leder im letzten Moment ins leere Tor. Dass er dabei noch umgegrätscht wird, egal. Es steht 2:0.

Keine 40 Minuten später ist Werder Bremen Europapokalsieger. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Vereinsgeschichte. Es ist der Höhepunkt einer an Höhepunkten reichen Werder-Ära. Und wie so oft in der Zeit zwischen 1989 und 1994 steht einer im Mittelpunkt, der den Unterschied ausmacht: Wynton Rufer. Auch für ihn, den alle wegen seiner neuseeländischen Herkunft nur Kiwi nennen, ist es der Gipfel seiner Laufbahn.

Tore wie am Fließband

Als Wynton Rufer im Sommer 1989 von den Grasshoppers Zürich an die Weser wechselt, hat sich Werder Bremen unter Trainer Otto Rehhagel gerade als konstantester Konkurrent des FC Bayern München etabliert. Tabellenplatz drei in der abgelaufenen Saison und der Einzug ins DFB-Pokalfinale, wo die Grün-Weißen jedoch mit 1:4 gegen Borussia Dortmund untergehen, unterstreichen das. Der Gewinn der zweiten Deutschen Meisterschaft 1988 liegt auch noch nicht lange zurück. Dass die Verpflichtung eines Stürmers aus dem rugbyverrückten Neuseeland die bis heute erfolgreichste Phase von Werder Bremen einläuten würde, daran denkt bei Rufers Vorstellung niemand.

Zu dem Zeitpunkt gilt der Neuseeländer, Sohn einer Maori und eines ausgewanderten Schweizers, in seiner Heimat schon als Nationalheld. 1989 wird er zum ersten Mal zu Ozeaniens Fußballer des Jahres gewählt. Für die meisten Fußballfans in Deutschland ist er trotzdem ein unbeschriebenes Blatt. Das ändert sich schnell. In kürzester Zeit avanciert Rufer in Bremen zum Publikumsliebling. Bleibt Werder in Rufers erster Saison mit einem enttäuschenden siebten Platz in der Bundesliga und einer weiteren Niederlage im DFB-Pokalfinale – diesmal gegen Kaiserslautern – noch ein Pokal verwehrt, werden danach fleißig Titel gesammelt. DFB-Pokalsieger 1991 und 1994, Meister 1993 und, wie eingangs erwähnt, Europapokalsieger 1992. Rufer hat maßgeblichen Anteil an den Erfolgen und erzielt in 217 Pflichtspielen satte 87 Tore für die Bremer. Vor allem im DFB-Pokal ist seine Quote beeindruckend: Er knipst 20 Tore in 28 Spielen.

Wynton Rufer Tor

Otto Rehhagel schwärmt bis heute

1994 verlässt Wynton Rufer Werder Bremen und wechselt nach Japan zu JEF United Ichihara. Ein Jahr später endet auch die Ära Rehhagel an der Weser. Doch 1997 folgt Rufer seinem Ex-Trainer, den er später gerne als Vaterfigur bezeichnet, und heuert für eine Saison beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern an. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung Blick erklärte der Kulttrainer sein besonderes Verhältnis zu Rufer einmal so: „Wenn Sie einen Fußballer fragen: ‚Kannst du links schießen?‘, dann sagt er: ‚Rechts geht, aber links: naja.‘ Oder: ‚Wie schnell bist du?‘ Dann sagt er: ‚Es gibt Schnellere.‘ Bei Wynton können Sie alles abfragen: Rechts perfekt, links perfekt. Er war der Schnellste, intelligent, kopfballstark. Im Endspiel gegen Monaco ist Wynton an allen vorbeigelaufen. Oder gegen Neapel, mit Maradona und Careca. Unglaublich, was Wynton da gespielt hat! Es war ein Riesenglück, dass ich Wynton von GC [Grasshoppers Zürich] zu Werder holte.“ Kontakt haben die beiden bis heute.

1997 kehrt Rufer zurück nach Neuseeland und gründet in Auckland die Wynton Rufer Soccer School of Excellence (WYNRS), um junge Fußballtalente zu fördern. Mit Erfolg: Bei der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland 2015 stehen sechs Absolventen seiner Akademie im Kader. Und auch in der neuseeländischen A-Nationalmannschaft der Frauen und der Männer sind aktuell ehemalige WYNRS-Schülerinnen und Schüler im Team.

Wynton Rufer heute

Rufer überlebt Herzinfarkt

Von 2014 bis 2015 heuert Rufer für ein Jahr als Nationaltrainer von Papua-Neuguinea an. Mittlerweile wurde er als Ozeaniens Spieler des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet. Einen Herzinfarkt überlebt Rufer, der zwischenzeitlich im Koma liegt, Anfang 2019 auch dank des beherzten Eingreifens eines Passanten, der sofort mit der Reanimierung des auf dem Bürgersteig liegenden Ex-Profis beginnt. Der Mann hatte gerade drei Wochen vorher einen Kurs für lebensrettende Maßnahmen absolviert. Zwölf Monate später ist Wynton Rufer wieder bei bester Gesundheit.

Einen engen Draht zu Werder Bremen unterhält er bis heute. Er ist regelmäßig in der Hansestadt und verfolgt die Entwicklung seines ehemaligen Vereins. In schweren Zeiten, wie sie in Bremen zurzeit herrschen, drückt er ganz besonders die Daumen.

Weitere Artikel

Leider ist Ihr Browser veraltet.

Wir empfehlen Ihnen eine neuere Version oder einen alternativen Browser zu verwenden, um die volle Funktionalität unserer Seite zu erhalten.