Gastspiel: FC Santos in Wolfsburg

Werbung für den Fußball: Als Pelé in Wolfsburg zauberte

Werbung für den Fußball: Als Pelé in Wolfsburg zauberte

Zum dritten Mal in seiner Klubgeschichte spielt der VfL Wolfsburg künftig in der Champions League. Fußballstars von internationalem Format haben die Wölfe aber schon vor genau 60 Jahren bei sich empfangen. Am 3. Juni 1961 machte mit dem FC Santos eine Mannschaft am Elsterweg halt, die nicht nur gespickt war mit amtierenden Weltmeistern von 1958, sondern auch mit dem Ballzauberer schlechthin: Pelé. Dass Volkswagen die durch Europa tingelnden Brasilianer für ein Freundschaftsspiel engagierte, versetzte die Sportstadt Wolfsburg in neue Euphorie. Erst recht, weil sich die Grün-Weißen auf dem Platz überraschend teuer verkauften.

Über einen langen Zeitraum hatte er Extraschichten geschoben, sogar in den Schulferien. Dann endlich konnte sich Günter Klinzmann die „Vogtländer Vito“ leisten. „Ich schätze, dass ich 100 bis 150 Mark bezahlt habe. Für mich war das damals viel Geld, das ich durch einen Ferienjob beim Dachdecker verdient hatte. Aber es hat sich gelohnt.“ Hätte der damals 18-Jährige seine neue Kamera nicht mit ins VfL-Stadion genommen, die Nachwelt wäre um viele markante Fotos von einem historischen Wölfe-Ereignis ärmer. Dabei war der gebürtige Helmstedter wohlgemerkt weder als Fan noch als Reporter am Elsterweg, sondern als Aktiver. „Mein Mitspieler Hans Legat stand an dem Tag nicht im Kader. Deshalb habe ich ihm den Apparat in die Hand gedrückt mit der Bitte, möglichst viel zu fotografieren. Das hat er auch hervorragend hinbekommen.“

Klein gegen Riesig

Im Stadion des VfL Wolfsburg, erst wenige Wochen zuvor mit einer neuen Tribüne versehen, trafen an diesem Tag Welten aufeinander. TuS Celle, Union Salzgitter oder VfB Peine hießen im Alltag die Gegner der Grün-Weißen. Aus der Oberliga Nord, seinerzeit die oberste Spielklasse, hatte sich der VfL zwei Jahre vorher verabschieden müssen. Nun versuchte er sich unter Trainer Kurt Reichert neu zu erfinden. Mit frischen Talenten wie Günter Otto, Heinz Fischer und Marian Foitzik oder auch besagten Klinzmann und Legat. Platz fünf in der Spielzeit 1960/1961 in der Amateur-Oberliga Niedersachsen Ost schien mitten im Umbruch keine schlechte Platzierung. Trotzdem drohten die erfolgreichen Feldhandballer den Fußballern beim Publikum den Rang abzulaufen. Und nun plötzlich ging es gegen Pelé. „Uns Spieler hat das gewaltig überrascht – wie wahrscheinlich alle in Wolfsburg. Aber die Zuschauerzahl zeigt ja deutlich, dass die Leute dieses Spiel unbedingt sehen wollten. Ich glaube kaum, dass ich jemals wieder vor solch einer Kulisse gespielt habe“, schwärmt Klinzmann. 

Wolfsburg nur ein Zwischenhalt

Wie es möglich war, eine Mannschaft von Weltruhm an den Mittellandkanal zu lotsen? Weil sich Volkswagen im besten Moment um sie bemüht hatte. Das Team vom Zuckerhut war praktisch in der Gegend. Schon in den Jahren zuvor hatte der FC Santos mit Freundschaftsspielen in ganz Europa die Gagen für seine Stars eingesammelt. Nun war der Klub gerade wieder auf Tour, hatte sich unter anderem schon mit 1860 München und Eintracht Frankfurt duelliert, aber auch der AS Rom, dem FC Valencia und der polnischen Nationalmannschaft. Beachtliche 18 Spiele in 45 Tagen steckten den Brasilianern bereits in den Beinen, als sie in Wolfsburg antraten. „Ich glaube, nach unserem Spiel sind sie direkt weiter nach Rotterdam gefahren“, erinnert sich Klinzmann, der trotzdem auch abseits des Rasens noch Gelegenheit bekam, die berühmten Fußballer kennenzulernen.

Vor Anpfiff noch eine Werkstour

Unvergessen blieb der 3. Juni 1961 aber nicht nur für die Spieler und die 10.000 Zuschauer, die für fünf Mark plus zehn Pfennig „Tribünengroschen“ ins Stadion kamen. Denn ehe der Ball überhaupt rollte, gab es im Werk von Volkswagen einen großen Empfang. Unter den freudigen Blicken der Belegschaft besuchte die gesamte Santos-Delegation, elegant gekleidet mit Schlips und Kragen, die Volkswagen Fahrzeugfertigung und erhielt exklusive Einblicke in die Produktion des Käfers. In welcher Formation es die Mannschaft dann am frühen Abend mit den Wölfen aufnehmen würde, darüber war man sich anschließend im Mannschaftshotel offenbar zeitweise uneins. Von der Idee, lediglich mit einer verstärkten Reserve anzutreten, konnten Volkswagen und der VfL die Gäste dem Vernehmen nach allerdings abbringen. Und so lief der FC Santos schließlich mit nahezu der gesamten Kapelle ins VfL-Stadion ein: mit den Weltmeistern Zito, Coutinho, Pepe – und dem Ausnahmekönner Pelé, damals gerade 20 Jahre alt.

Günter Rüges Sternstunde

Wenn Volkswagen mit dem Zustandekommen des Spiels schon ein Ausrufezeichen gesetzt hatte, so gelang der Wölfe-Mannschaft auf dem Rasen noch ein eigenes Glanzstück. Die Brasilianer dribbelten und zauberten zwar wie bestellt und lagen nach 20 Minuten bereits mit 3:0 vorn. Gerade weil der FC Santos aber keineswegs mit der Handbremse spielte, wusste der VfL Wolfsburg, dessen Spieler hauptberuflich als Maschinenbauer, Schlosser oder Installateure im Werk arbeiteten, sein Heimpublikum bald zu verblüffen. Spätestens nach Günter Rüges Anschlusstor, einem Prachtschuss genau in den Winkel (28.), mischten die Grün-Weißen nach Lust und Laune mit. Gerhard „Fichte“ Schrader (72.) und erneut Rüge (76.) legten nach weiteren Santos-Toren noch zwei Treffer nach, was in der Schlussabrechnung eine mehr als ehrenwerte 3:6-Niederlage ergab. Rüge übrigens traf damit genauso oft wie Pelé, der unter bewunderndem Raunen der Wolfsburger ebenfalls einen Doppelpack schnürte. Mehr gestand ihm sein Kettenhund Wilfried Reckel, der Schwiegervater des heutigen Wolfsburger Oberbürgermeisters Klaus Mohrs, nicht zu.

Zigarren im Ratskeller

„Was Pelé, Pepe oder Coutinho vorzauberten, war Fußballartistik“, jubelte die „Neue Woche“ im Nachgang, nicht ohne sich auch vorm Underdog zu verneigen: „Eine Elf von Amateuren hat es vermocht, sich im Lauf eines Spiels so zu steigern, dass sie selbst diesem Gegner Respekt abnötigte.“ Mit Abpfiff war das Fußballfest allerdings nicht vorbei. Besonders gern erinnert sich Klinzmann an das direkt folgende Abendessen im Wolfsburger Ratskeller, das viele Wölfe nutzten, um sich ihre Andenken an die Partie wie Wimpel oder Plakate signieren zu lassen. Volkswagen hatte zur besseren Verständigung extra Dolmetscher bereitgestellt. Das war eine richtig gemütliche und nette Atmosphäre. Ich habe noch vor Augen, wie einige Santos-Spieler dicke Zigarren rauchten. Außerdem sind dort noch viele Fotos entstanden“, so der 78-Jährige. Eine besonders schöne Erinnerung befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Kasten seiner „Vogtländer Vito“. Denn direkt nach Abpfiff war Kumpel Hans Legat im besten Moment zur Stelle und schob Klinzmann und Pelé sowie Schrader und Hans-Georg Felleckner zu einem Gruppenfoto zusammen, das in den Medien des VfL Wolfsburg noch Jahrzehnte später häufig Verwendung fand. „Dieses Bild haben wir bei einem Ehemaligentreffen in der Volkswagen Arena 2017 aus Jux noch einmal nachgestellt“, berichtet Klinzmann. An der Stelle, wo im Originalbild Pelé gestanden hatte, ließen die Herren eine respektvolle Lücke.

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Foto: Günter Klinzmann

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