Ein Fußballstadion von Außen
Ein Fußballstadion von Außen
Ein Fußballstadion von Außen
Ein Fußballstadion von Außen

Sehnsucht nach dem Gästeblock

Sehnsucht nach dem Gästeblock

Fans sind derzeit außen vor im Stadion. Verständlich, aber sehr schade. Anstatt Trübsal zu blasen, schwelge ich halt in Erinnerungen.

Fans sind derzeit außen vor im Stadion. Verständlich, aber sehr schade. Anstatt Trübsal zu blasen, schwelge ich halt in Erinnerungen.

Fünf Spieltage vor Schluss muss mein Team auswärts ran. Dort, wo wir schon viele Jahre nichts mehr geholt haben. Dort, wo es immer Niederlagen hagelt. Vielleicht klappt es diesmal, es wäre wichtig. Für beide Teams geht es nämlich um Europa. Unter normalen Umständen wäre ich dabei, würde Freundinnen und Freunde zusammentrommeln, Autos und Schlafplätze organisieren. Aber normal ist derzeit ja wenig. Seit dem Re-Start sind wir Fans nicht mehr dabei, Heim- und Auswärtsspiele verschwimmen zu einem Einheitsbrei. Der zwölfte Mann hat Pause. Also bleibe ich zu Hause und erinnere mich an meine schönsten Auswärtsfahrten.

Mein Schal flattert im Wind

Früher war ich Allesfahrer, habe auf fremden Plätzen alles gesehen und erlebt, was die Fan-Seele berührt. Trostlose Nullnummern, heftige Niederlagen, berauschende Siege. Ich sah einen bitteren Abstieg, bejubelte einen Klassenerhalt in allerletzter Sekunde und feierte den Einzug in den Europapokal. Ich folgte meinem Team in verschiedene Länder. England, die Niederlande, Italien, Spanien und die Türkei. Immer mit dabei: meine besten Freundinnen und Freunde. Immerhin verlieren wir uns derzeit nicht aus den Augen, wir zelebrieren Fußball auf andere Art und Weise.

Heutzutage bin ich sowieso etwas immobiler. Auswärtsfahrten lassen sich nicht mehr so einfach mit Familie und Beruf vereinbaren. Aber dieser Spieltag war fest eingeplant, ehe uns Corona einen Strich durch die Rechnung machte. 15 Leute wären wir gewesen, verteilt auf vier Autos. Treffpunkt Hauptbahnhof. Erste Amtshandlung: Schals aus dem Fenster baumeln lassen, die flattern so schön im Wind und zeigen allen, wen wir supporten. Dann wäre es losgegangen. Ziel eingeben, Motor starten, ab dafür!

Ich schwelge in Erinnerungen

Auf der Hinfahrt hätte ich hinterm Steuer gesessen, auf der Rückfahrt einer meiner Freunde. Wer nicht gefahren wäre, der wäre fürs Entertainment zuständig gewesen. Geschichten erzählen, die mit „Wisst ihr noch…?“ beginnen. Zeitungsartikel vorlesen, die mit dem Spiel zu tun haben. Songs aussuchen, die gute Laune machen. Und irgendwann wären wir dann angekommen. In der Regel haben wir ausreichend Zeit eingeplant, um in der jeweiligen Stadt herumzubummeln. Ein Dreiklang bestehend aus Sightseeing, Kneipe und Stadion. Vor allem Letzteres fehlt derzeit gehörig.

Es fehlt das Gefühl, aufs Stadion zuzugehen, die Gesänge zu hören, zu bemerken, wie die Geräuschkulisse immer lauter wird, um dann den Platz im Gästeblock einzunehmen und mitzusingen. Auswärtsspiele sind wahnsinnig intensiv. An einem Tag passiert so viel wie sonst in dreien oder vieren. Da das derzeit ausfällt, hole ich mein Fotoalbum aus dem Regal. Ein Fotoalbum, das gefüllt ist mit Tickets von Auswärtsspielen. Ich blättere, schwelge in Erinnerungen und hoffe, sehr bald wieder in der Gästekurve stehen zu können.

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