Eine Hand hält ein Mikrofon
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Wichtig ist am Mikrofon

Wichtig ist am Mikrofon

Interviews nach Spielelende sind momentan recht steril. Um der Zeit nach dem Schlusspfiff mehr Pep zu verleihen, hatten meine Kumpels und ich eine Idee: Wir interviewen uns einfach selbst.

Interviews nach Spielelende sind momentan recht steril. Um der Zeit nach dem Schlusspfiff mehr Pep zu verleihen, hatten meine Kumpels und ich eine Idee: Wir interviewen uns einfach selbst.

Wenn die Spieler nach Schlusspfiff in Richtung Katakomben strömen, beginnt die Jagd nach O-Tönen. Reporter formieren sich mit investigativer Entschlossenheit am Spielfeldrand, um erste Analysen zum Spielverlauf einzufangen. Insgeheim hoffen sie auf ungefilterte Emotionen. Manchmal klappt das, manchmal werden Sätze für die Ewigkeit geboren. Sätze, die sich ins kollektive Fangedächtnis eingebrannt haben. „Eier, wir brauchen Eier!“ Oder: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ zum Beispiel. Doch in der Regel endet ein solches Spielfeldrand-Interview in einem floskelhaften Wortwechsel.

Rollenspiel nach Schlusspfiff

Das Setting ist immer gleich: Hier der wissbegierige Journalist, da der verschwitzte Spieler. So ist es auch derzeit beim Re-Start. Na ja, ein bisschen anders ist es schon. Ein Spieler steht alleine vor einer Sponsorenlogo-Tapete und bekommt ein hygienisch einwandfrei eingepacktes Mikrofon gereicht. Der Journalist ist nicht zu sehen. Fühlt sich irgendwie  steril an – und macht deswegen auch nur halb so viel Spaß. Finden meine Kumpels und ich zumindest

Also haben wir uns etwas einfallen lassen. Nachdem wir zusammen die Bundesliga-Konferenz angeschaut haben, starten wir ein Rollenspiel. Einer schlüpft in die Rolle des Reporters, die anderen sind die Spieler. Das Ziel: ein gut abgestimmtes Phrasen-Tiki-Taka, ein nichtssagender, verbaler Schlagabtausch in feinstem Fußballdeutsch.

Einer aus unserer Runde ist dafür zuständig, die Phrasen zu notieren. Jede Worthülse sorgt dafür, dass unser Phrasenschwein gefüttert wird. Dick soll es werden, schließlich hauen wir den Inhalt beim nächsten gemeinsamen Auswärtsspiel nach Corona auf den Kopf. 

Nur wer siegt, hat gewonnen

Wir sind also bis in die Haarspitzen motiviert, möglichst aalglattes, worthülsiges Fußballdeutsch zu sprechen. So in etwa: „Wie haben Sie das Spiel erlebt?“ „Wir haben gut gegen den Ball gearbeitet, die Räume eng gemacht, aber es fehlte einfach die Tiefe.“ „Woran hat’s gelegen?“ „Die anderen haben ein Tor mehr geschossen.“ „Wie geht’s jetzt weiter?“ „Wir müssen das Spiel abhaken und uns auf die nächsten Aufgaben konzentrieren. Wir haben noch vier Spiele, jedes ist ein Endspiel.“ Und so weiter und so fort.

Wir küren jedes Mal einen Tagessieger. Es ist derjenige, der in den rund einminütigen Interviews die meisten Allgemeinplätze unterbringt. Er kriegt als Dank das goldene Mikrofon. Ein kitschiger Pokal, den ich mal auf einem Flohmarkt gekauft habe. Das ist nun unser Wanderpokal. Im Moment steht das goldene Mikro bei mir – und ich bin wild entschlossen, es an diesem Wochenende zu verteidigen. Ihr wisst ja: Nur wer siegt, hat gewonnen.

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