Warum Freundschaften so wichtig sind

Sportpsychologe verrät: Warum Freundschaften für den Erfolg so wichtig sind

Sportpsychologe verrät: Warum Freundschaften für den Erfolg so wichtig sind

„Elf Freunde müsst ihr sein.“ Das hat schon Sepp Herberger gesagt – und stimmt auch heute noch. Denn die erfolgreichsten Teams sind meist die, in denen sich die Spieler untereinander verstehen. Die sich nicht nur nach Toren in den Armen liegen, sondern auch privat etwas unternehmen. Freundschaften im Profifußball sind wichtig – und doch so schwierig.

Das weiß auch Dr. René Paasch. Der Sportpsychologe arbeitete beim VfL Bochum und Schalke 04, zur neuen Saison betreut er Rot-Weiß Oberhausen. Anlässlich des Internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli verrät Paasch im Interview, wie Freundschaften im Milliarden-Business Profifußball entstehen und funktionieren können, warum der Leistungsdruck sie gefährdet und welchen Einfluss der Trainer darauf hat.

Herr Paasch, wie wichtig sind Freundschaften für den Erfolg?

Die meisten Profis kommen zum Training und sind danach gleich wieder weg. Deshalb legen viele Vereine noch mehr Wert auf Teambuilding, denn das macht sich auch auf dem Platz bemerkbar. Für den Erfolg muss es zwischenmenschlich stimmen, auch abseits des Platzes.

Was ist der Unterschied zu Freundschaften im normalen Leben?

Häufig sind die Bekanntschaften zweckgebunden, mit dem Ziel, als Team etwas zu erreichen. Aber Freundschaft bedeutet, dass man wirklich Interesse an der Person hinter dem Fußballer hat und auch die Freizeit miteinander verbringt. Bei der großen Konkurrenz innerhalb der Mannschaften kommen Freundschaften leider oft zu kurz. Aber: Je mehr Konflikte entstehen und je mehr Niederschläge man einstecken muss, umso mehr Freundschaften entstehen.

Misserfolg ist also förderlich für Freundschaften?

Absolut. Spieler sollen Fehler machen, das bedeutet für mich Wachstum. Gerade bei Misserfolg fängt man an zu reflektieren und denkt größer. In solchen Situationen entstehen dann auch nachhaltige Freundschaften.

Wo liegen hierbei die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenmannschaften?

Frauen sind emotionaler und geben mehr von sich preis. Sie brauchen diese Verbundenheit einfach; auch mal die Bestätigung, wenn etwas gut war und die Wertschätzung des Teammitglieds. Wenn es nicht harmoniert zwischen den Spielerinnen, sieht man das auch auf dem Platz.

Können Männer diese Emotionalität besser ausblenden?

Zumindest auf dem Platz. Sie haben von klein auf gelernt, wie sie in diesem Umfeld Leistungssport funktionieren müssen und wie sie sich schützen können vor äußeren Einflüssen. Abseits unter vier Augen sieht das auch anders aus.

Das Klischee von sich anzickenden Frauen ist auch im Fußball längst überholt, oder?

Ja, das gibt es so nicht. Frauen sind sehr ehrgeizig, sehr professionell. Man darf auch nicht vergessen, dass sie im Vergleich zu Männern finanziell ganz andere Rahmenbedingungen haben und selbst viele Bundesliga-Spielerinnen ihr Geld nicht alleine mit Fußball Geld verdienen. Im Zuge dessen sind sie einfach nicht so ich-fixiert wie die Männer.

Wie entstehen Freundschaften im Profifußball?

Es spielt erst mal keine Rolle, wo jemand herkommt und was er kann. Es muss die Bereitschaft geben, sich auf den anderen einzulassen; nur so entsteht ein zwischenmenschlicher Zauber. Das ist auch typbedingt; manche Spieler wollen das gar nicht. Auch wenn sie Teil einer Mannschaft sind, sind viele sehr auf sich fokussiert. Aber je länger sie im Geschäft sind, umso mehr sehnen sie sich nach Freundschaften, Beständigkeit und Nähe.

Welche Rolle spielt das Klubumfeld?

Eine ganz wichtige. Wie ist der Verein aufgestellt? Fördert er solche Beziehungen? Und dann natürlich: Was lebt der Trainer vor? Wenn er mit harter Hand von oben regiert, ist das auch kein gutes Umfeld für intensive Freundschaften unter Spielern. Wir reden im deutschen Fußball nicht mehr vom Typ Magath, dem Schleifer, sondern vom Kumpeltyp wie Flick und Klopp. Von Menschen, die Lust haben, mit Menschen zu arbeiten.

Ein Trainer kann also, zum Beispiel mit den klassischen Teambuilding-Maßnahmen, Freundschaften im Team forcieren?

Man darf diese kleinen Spielchen nicht zu hoch hängen, damit formt man noch lange kein Team. Aber je mehr eine Kultur der Offenheit und Ehrlichkeit gelebt wird, umso mehr gehen die Spieler aufeinander zu. Über Hansi Flick hat auch keiner gesagt, dass er der beste Taktiker und der beste Trainer ist. Aber alle haben gesagt: Das ist ein toller Mensch.

Gilt das alte Herberger-Zitat „Elf Freunde müsst ihr sein“ immer noch?

Man kann nicht mit jedem gut befreundet sein, aber man sollte zumindest bereit sein, für den anderen zu kämpfen. Thomas Müller hat mal gesagt, es sei ihm eine große Freude, den Ball zurückzugewinnen, wenn ihn ein Mitspieler verloren hat. Es ist ganz schwierig, mit Menschen erfolgreich Fußball zu spielen, die du abseits des Platzes nicht magst.

Wie echt sind diese Freundschaften oder ist es am Ende doch nur eine Zweckgemeinschaft?

Es ähnelt unserem Leben. Ich habe sehr viele Bekannte, aber wie viele sind wirklich meine Freunde? Auch die Schnelllebigkeit des Geschäfts durch Vereinswechsel etc. macht es nicht einfacher. Die Skepsis, sich zu öffnen, ist oft da. Landet das, was ich meinem Mitspieler anvertraue, am nächsten Tag in der Zeitung? Oder geht er vielleicht zum Trainer?

Nun zeigen Männer generell ungern Schwächen. Im Profifußball ist das noch stärker ausgeprägt. Wie sehr drückt das auf die Psyche, wenn ich ständig abliefern muss, zumindest nach außen?

Wenn man nicht echt ist und sich verstellen muss, ist diese negative Energie allgegenwärtig. Das wirkt sich natürlich auf unser Befinden aus und ist nicht gesund. Die meisten Fußballer haben nicht dieses Selbstvertrauen, dass sie öffentlich zur Schau stellen. Viele Profis öffnen sich auch erst nach dem Karriereende, weil sie dann endlich sie selbst sein können.

Wie entwicklungsfähig sind Fußballer emotional?

Viele Profis sind relativ einfach gestrickt. Das ist nicht böse gemeint, aber die Leistung steht über allem. Was auffällig ist: Wenn Profis heiraten und Kinder bekommen, ändert sich ihr Verhalten häufig. Dann wird das eigene Ego zurückgefahren, die Prioritäten neu sortiert. Und dann entstehen auch Freundschaften, weil die Spieler anfangen, Interesse am Gegenüber zu entwickeln.

Und wie erhalte ich eine Freundschaft zu einem Teamkollegen langfristig, auch bei einem eventuellen Vereinswechsel?

Wenn ein Spieler den Verein verlässt, dann sollte er das auch entsprechend vorbereiten. Und seinen Freunden zeigen, dass sie ihm wichtig sind und er diese Beziehung aufrechterhalten will. Und dann ist es die größte Aufgabe, einfach nur in Kontakt zu bleiben und sich auch trotz großer Distanzen persönlich zu treffen.

Die öffentliche Wahrnehmung ist oft, dass Profis in ihrer Luxusblase kaum Probleme haben. Aber braucht es nicht auch Krisen, damit Freundschaften wachsen können?

Die braucht es ganz sicher. Wir versuchen in unserer Arbeit auch immer, Gegenwelten zu schaffen, über ganz andere Dinge zu reden – und nicht nur über Fußball. Auch die Profis spüren schnell, dass Geld allein nicht glücklich macht, weil sie das richtige Leben samt Freundschaften vernachlässigt haben.

Je mehr Geld kommt, desto mehr falsche Freunde kommen auch…

Daher kommt die Skepsis, sich zu öffnen. Wenn ein Profi immer Leistungsdruck hat, fällt es immer schwerer, überhaupt jemandem zu vertrauen. Er hat praktisch immer Stress. Doch Freundschaft lässt sich gerade nicht über Leistung generieren, die muss sich entwickeln, auch wenn es mal nicht läuft. Und dieser ständige Leistungsdruck hemmt auch. Viele Spieler wollen, aber können einfach nicht, weil sie der Druck so einnimmt, dass sie gar keine Zeit haben, Freundschaften zu pflegen. Doch gerade dann wären sie gut, um einem durch die Krise zu helfen.

Den Spielern wird früh viel abgenommen, ihr Leben hat mit der Realität nur wenig zu tun. Kann man abschließend sagen, dass Fußballprofis eine geringere Sozialkompetenz haben?

Sie ist zumindest reduziert. Um dem entgegenzuwirken, haben wir auch in allen Nachwuchsleistungszentren mittlerweile Sportpsychologen engagiert, die das fördern. Aber auch die Eltern sind dafür verantwortlich. Wenn sie es als Kind nicht gelernt habe, kriegt man die Spieler auch später nur schwer erreicht.

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